Unendlich Lebendig - Fotografien vom Meer

»Welcome to the historic creek street. Where in the good old days both fish & fishermen went up the creek to spawn«. Ich war vorbereitet, nachdem ich dieses Schild in Ketchikan/Alaska gelesen hatte und doch war mein erster Gedanke »Was ist denn hier passiert?«, als ich Tausende toter Lachse zurück ins Meer schwimmen sah. Nichts Besonderes war geschehen, nur das, was seit Tausenden von Jahren in jedem Jahr wieder geschieht. Nach etwa vier Jahren kehren die Lachse aus dem Pazifik an ihren Geburtsort zurück. Und Geburtsort ist wirklich wörtlich zu verstehen. Sie orientieren sich nach dem Geruch und schwimmen in den kleinen Bach oder versuchen in den Tank der Zuchtanlage zu kommen, in dem sie geschlüpft sind. Schier unglaublich und wirklich etwas BESONDERES! Ökologisch gesehen handelt es sich um einen enormen Transport von Nährstoffen aus einem marinen in ein limnisches bzw. terrestrisches Ökosystem. Die nordischen Regenwälder mit ihren Bächen und Flüssen würden ohne diesen Eintrag von Nährstoffen anders aussehen.
In der Mythologie der Indianer der Westküste von Nordamerika leben die Salmon people in fünf Städten im Pazifik, da es in diesem Bereich fünf Lachsarten gibt. Einmal im Jahr schlüpfen sie in die Lachse und kehren mit diesen an ihren Geburtsort zurück. Nach dem Laichen stirbt der Lachs und der Mensch »kehrt zurück« in seine Stadt im Pazifik. Im nächsten Jahr, mit dem nächsten Lachszug, wird er wieder an seinen Geburtsort zurückkehren. Soweit die Vorstellung. Wenn wir Menschen jedoch den Fisch vergiften, dann wird der MENSCH nie zurückkehren. So meine weitergehende Interpretation. Diese Mythologie, die eindrucksvoll in der Formensprache der Indianer in der Grafik von Sven Pearson zum Ausdruck kommt, hat mich nun seit fast 30 Jahren begleitet und wird es auch weiterhin tun. Als Wissenschaftler habe ich mich mit der Wirkung von Chemikalien auf Fische und Fischpopulationen beschäftigt. In meinen Arbeitsgruppen wurden Testmethoden zur Prüfung von Chemikalien auf Fischpopulationen, aber auch eine Alternativmethode zum akuten Fischtest entwickelt; die einzige, die zur Abwasserprüfung gesetzlich vorgeschrieben ist. Wir haben Konzepte zur Chemikalienbewertung, auch für den marinen Bereich, mit entwickelt. Neben den Vorlesungen zur Ökotoxikologie und Hydrobiologie hat mir die Vorlesung Marine Ökosysteme besonders viel Freude gemacht. Zumal ich auf eigene Erfahrungen und Fotos aus vielen marinen Lebensräumen zurückgreifen konnte. Einige dieser Bilder finden Sie auch in diesem Buch. Das Meer war und ist für mich immer viel mehr als die Summe von einzelnen Fakten. Es sind Mythen, Geschichten, Erlebnisse, Bilder und viele nachhaltige Eindrücke zur Schönheit, aber auch zur Gefährdung: Songs of the Sea.

Roland Nagel

 

Roland Nagel, geboren 1944 in Reimswaldau/ Schlesien, lebt heute in Dresden. Nach Jahren als Eisenbahner in Rheinland-Pfalz studierte er Biologie in Mainz und wurde 1994 Professor an der TU Dresden. Wissenschaftlich beschäftigte er sich mit der Wirkung von Umweltchemikalien auf aquatische Ökosysteme. Die Meeresfotografien entstanden seit 1986 während verschiedener Reisen rund um den Globus. Die frühen Bilder wurden analog fotografiert, erst seit einigen Jahren kommt die Digitalkamera zum Einsatz. Seit 2006 beteiligt er sich an Ausstellungen und präsentiert seine Arbeiten in Einzelausstellungen, die 2012 mit »In A Gadda Da Vida« in der Galerie »Kunst im Akademiehotel« in Dresden ihre Fortsetzung finden.

 

 

 

Pressestimmen

Roland Nagel durchmisst mit der Kamera das Land und die Jahreszeiten. Fremdes und Vertrautes, mit nahezu zärtlicher Beiläufigkeit. Er entdeckt Skurriles, Merkwürdiges, Ungesehenes. Die Zusammenstellung der Fotoarbeiten ergeben Geschichten. Roland Nagel ist ein Mann des Auges, ein scharfer Beobachter, der einen Sekundenbruchteil von Wirklichkeit so festhalten kann, dass man als Betrachter, wenn man sich sammelt und die Augen schließt, sich sogar an Stimmen, Geräusche erinnern kann, die man mit der gesehenen Bildstruktur verbindet. So sind diese Fotografien in gewissem Sinne Gedächtnisorte, aktualisierte Vergangenheit. (Karin Weber) ++Dresdner Neueste Nachrichten, Juni 2012

 

 

 

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Roland Nagel
Unendlich Lebendig

Fotografien vom Meer

224 Seiten, 186 meist farbige Abbildungen,
22,5 x 23,5 cm, Klappenbroschur, Fadenheftung

39,80 Euro
ISBN 978-3-936406-37-5

 

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